Sonntag, 23. März 2014

Chapter 2. Part II: first school day, first body!


Es verging eine viertel Stunde völliger Einsamkeit bis die Schulglocke ertönte und alle Schüler und Schülerinnen in die gemeinsame Sporthalle der Schulen stürmten um die jährliche Willkommensrede der Lehrerschaft anzuhören. Das Gedränge um einen guten Platz war groß, obwohl Brooke den Grund dafür nicht wirklich verstand. Die Halle war riesengroß und mit hunderten von Stühlen versehen. Auf einer Art Bühne stand die komplette Lehrerschaft beider Schulen und im Vordergrund die Rektoren. Zuerst wandte sich Mr. Peter Finelli, Schulleiter der Kennedy High School dem Rednerpult zu und sprach: „Herzlich Willkommen im neuen Schuljahr!“ Doch gerade als er ansetzen wollte, einen weiteren Satz zu beginnen öffneten sich die Flügeltüren der Sporthalle und ungefähr ein Dutzend Männer in Uniform traten im schnellen Schritt ein, durchrauschten den Saal und gingen direkt auf die Lehrer zu. Die Polizisten schienen dem Lehrerpersonal eine schreckliche Nachricht verkündet zu haben, da die Reaktionen mehr als geschockt waren. Kurz war alles still im Saal. Brooke hatte das Gefühl, dass man das Fallen einer Stecknadel laut durch den ganzen Raum gehört hätte. Angestrengt saßen ihre Mitschüler auf ihren Stühlen und versuchten die leisen Worte aus der Ferne zu verstehen. Eine Lehrerin brach in Tränen aus, während der Rest entweder mit den Händen vor dem Gesicht zusammen geschlagen auf ihre Stühle sackten oder mit entsetzter Miene gegenseitige Blicke austauschten. Nun wandte sich der Polizeidirektor ganz persönlich an die Schüler. Er trat an das Rednerpult und verkündete die unheilvolle Botschaft: „Guten Morgen liebe Schülerinnen und Schüler. Unser Besuch hier an ihren Schulen hat keinen harmlosen Hintergrund. Wir möchten ihnen nichts verheimlichen und sind der Meinung, dass sie alt genug sind um die Wahrheit zu verkraften. Samstag Abend wurde eine Mitschülerin von ihnen in der Nähe des Schulgeländes tot aufgefunden!“ Der Polizeidirektor hielt kurz inne. Viele Mädchen sahen sich nach ihren besten Freundinnen um, um sich zu versichern dass nicht sie es sind die gestorben sind.

„Marissa Lanchester, ist das besagte Mädchen. Aufgrund der noch ungeklärten Todesursache werden wir vielen von euch Schülern ein paar Fragen stellen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt jedoch, sind wir uns sicher das es kein Unfall war, sondern Mord!“
Einige Sekunden herrschte eine Totenstille im Raum, gefolgt von einem hysterischen Anflug von Panik. Wutausbrüche, Tränenausbrüche, wilde Spekulationen und mittendrin Brooke, die nicht wusste wie sie reagieren sollte. Sie kam sich vor wie in einem falschen Film.  Sie kannte das ermordete Mädchen nicht, Sie kannte ihren Freundeskreis nicht aber sie wollte es sich nicht eingestehen, dass es ihr gleichgültig war. „Ein Mord ist niemals gleichgültig“ schwirrte es durch ihren Kopf. Doch ein Gedanke wurde sie nicht los. Sie konnte keinem trauen, da der Mörder noch nicht gefasst war und sie ihr Umfeld noch nicht einschätzen konnte. „Der Unterricht fällt bis auf weiteres aus, dennoch bitte ich morgen um die selbe Uhrzeit alle Schüler wieder hier anzutreffen. Erst dann werden sie anhat einer Liste erkennen wer von ihnen Befragungsverpflichtet ist und wer nicht. Brechen sie nicht in Panik aus, ich wünsche noch einen angenehmen Tag.“ So schnell wie die Beamten herein gestürmt waren, waren sie auch wieder verschwunden. „Einen schönen Tag? Die Ficker können mich mal. Wie soll man noch nen schönen Tag haben wenn hier ein Killer frei herum läuft.“ Sagte eine rauchige Frauenstimme nur ein paar Plätze weiter von Brooke. Das Mädchen zu dem die Stimme gehörte war ungefähr in ihrem Alter. Anhand des Ordners auf ihrem Schoß, erkannte sie darauf in Krackelschrift geschrieben den Namen des Mädchens: Francesca Brown. Doch der Vorname war durchgestrichen und statt dessen mit einem Edding darüber geschrieben stand: Fran. Das Mädchen sah nicht gerade sehr freundlich aus. Sie war eher eine von diesen, die sich auch gerne mal prügelten. Doch ihre Aufmerksamkeit galt einer anderen Person, die geradewegs zum Rednerpult tänzelte und gekünstelt zu weinen schien und sich mit einem Seidentaschentuch die Tränen weg wischte. „Liebe Mitschüler, als Tochter des Bürgermeisters möchte ich auch hier noch einmal offiziell mein Beileid ausdrücken. Welch schmerz mich durchfahren hat als ich die grauenhafte Neuigkeit erfuhr. Und ich glaube es geht euch nicht anders. So bitte ich euch, gedeken wir die nächste Minute in voller Stille unserer Freundin Marissa, die nicht verdient hat zu sterben. Das ist für dich Marissa!“ Giulia schloss die Augen und faltete ihre Hände ineinander. Giulias Gefolgsleute taten es ihr gleich und schlossen ebenfalls die Augen. Einige andere sagten einfach nichts oder verschränkten genervt die Arme, doch Francesca schob mit einem lauten knarren ihren alten Holzstuhl zurück, stand auf und rief Giulia entgegen: „Als ob es dir leit tuen würde, Pussy Franklin“ Mit diesen Worten warf sich die dürre Schülerin ihre abgelebte Ledertasche über die Schulter und verschwand aus der Sporthalle. Langsam löste sich auch die Menge der restlichen Schüler in der Sporthalle auf, die geradewegs hinaus in den Pausenhof liefen um das gesagte zu verdauen und ausführlich zu diskutieren. So gut wie jeder holte als erstes sein Smartphone heraus und verbreitete die Nachricht in der ganzen Stadt und wahrscheinlich sogar darüber hinaus.

Auch Brooke bewegte sich mit langsamen Schritten nach draußen. Fast niemand war mehr in der Halle, selbst das verwirrte Lehrerpersonal hatte sich schon verzogen.  Beiläufig bemerkte sie wie Giulia sich über Fran’s Kommentar aufregte. Eine ihrer Freundinnen versuchte sie zu beruhigen worauf sie fast schon allergisch reagierte: „ES IST MIR NICHT EGAL ERIN, ich lasse mich von diesem Miststück nicht so behandeln!“ Giulias Freundin namens Erin entgegnete ihr etwas ängstlich: „Du solltest besser aufpassen wie du sie nennst, immerhin hat sie mitbekommen dass du dort warst, wer weiß wem sie es erzählt!“ Giulia lief Puterrot an und zerrte ihre Freundin am Arm nach draußen. „Pass verdammt noch mal auf, was du in der Öffentlichkeit von dir gibst Erin!“

Beim hinaus gehen bemerkte Brooke, dass sie ihr Notizheft, welches sie zwischenzeitig heraus geholt hatte,  wohl im Saal vergessen haben musste. Sie eilte zurück und sah dabei auf ihr Handy da sie auf eine SMS von Madison wartete. Plötzlich knallte sie mit ihrem Kopf gegen den einer anderen Person, die scheinbar auch nicht aufgesehen hatte.  Der Schmerz war kurz und pochend, klang aber nach wenigen Sekunden wieder ab. Brooke erkannte nun das erste mal das Mädchen, mit welchem sie zusammen gestoßen war. Sie hatte dunkelbraunes Haar, braune Augen und eine Hornbrille auf der Nase. Ihre Statur war weiblich, nicht zu viel und nicht zu wenig. Sie war nicht besonders groß und trug keine Auffälligen Klamotten.  Ihr Outfit bestand aus einer Jeans, einem langärmligen Oberteil, einem Sommerschal und ihrer Longchamp-Handtasche. Eingeschüchtert sah das Mädchen abwechselnd in Brookes Augen und dann wieder auf den Boden. „Das war wirklich keine Absicht ich hab einfach nur..-„ „Ist schon okay, normalerweise würde ich austicken und dir raten das nächste mal besser aufzupassen aber dieses mal hast du Glück gehabt.“ Brooke schenkte dem Mädchen ein Lächeln und streckte ihr die Hand entgegen: „Hi ich bin Brooke,  die Neue.“ Das unscheinbare Mädchen nahm etwas zögernd die Hand entgegen und schüttelte sie. „Hi, Ich bin Bethany. Freut mich dich kennen zu lernen.“ Bethany schenkte Brooke noch ein freundliches Nicken ehe sie auch aus der Halle verschwinden wollte. Brooke hingegen bemerkte einen Flyer der nur wenige Meter von ihr entfernt auf dem Boden lag  und schon einige Fußabdrücke auf sich hatte, auf welchem stand: „DIE ALLJÄHRLICHE FIRST SCHOOL DAY PARTY STEHT AN! DIREKT IN F.S. HOOD, WER NICHT KOMMT IST NE PUSSY.“ Brooke hob den Flyer auf und überlegte einen Augenblick, dann drehte sie sich um und rief Bethany, die schon am Ausgang angekommen war zu: „Hey Bethany, hast du heute Abend schon was vor?“ 


„Wir gehen also auf diese Party habe ich dich richtig verstanden Brooke?“ „Vollkommen richtig.“ Entgegnete Brooke Parker ihrer neugewonnen Verbündeten. Bethany schien sich bei diesem Gedanken gar nicht wohl zu fühlen. „Brooke, ich gehe normalerweise nicht auf solche Party’s weißt du.“ Brooke legte ihr behutsam eine Hand auf die Schulter und nickte ihr zu „Keine Sorge, du gehst mit mir dort hin. Das wird mehr als gut glaub mir.“  Möglicherweise wird die gesamte Schülerschaft auf der Party anwesend sein um den Schock von Marissa’s Tod in Alkohol zu ertränken. „Wir treffen uns um 7 bei mir okay? Dann machen wir uns gemeinsam fertig.“ Sie grinste Beth schon vorfreudig an, und sendete ihr per SMS die Adresse von Madisons Haus. „Ich freu mich schon Beth.“ Etwas selbstbewusster als am Morgen stolzierte Brooke in Richtung Taxi-Stand, der sich ganz in der Nähe des Schulzentrums befand. Nun war sie um eine Kammerzofe reicher und hatte das Gefühl Giulia irgendwann das Wasser reichen zu können.


Als Brooke nach Hause kam, war niemand da.  Wahrscheinlich hatte sich Madison mit Freunden zum Nachmittags-Tee verabredet. War ihr ganz recht, dass sie nicht hier war. So konnten sich Beth und Brooke später auch ganz ungestört für die Party fertig machen. Die restliche Zeit bis Bethany vorbei kam vertrödelte sich Brooke mit Fernsehen. „Teen-Mom“ war zwar keine sehr sinnvolle Freizeitbeschäftigung aber wenigstens wird ihr bei solchen Reality-Shows immer so übel dass sie nichtmal an Essen denken kann ohne zu würgen. Um halb 7 entschied sich Brooke noch mal dazu schnell unter die Dusche zu springen. Da Brooke’s anfänglicher Fehlstart was die Outfitwahl am ersten Schultag anging jedem im Gedächtnis geblieben schien, musste sie heute Abend einen besonderen Trumpf ausspielen. Außerdem hatte sie die perfekten Kenntnisse was Mode anging. Zumindest dachte sie das.

Punkt 7 Uhr klingelte es an der Haustür. Bethany stand vor ihrer Türe, scheinbar dachte sie, sie würden sofort zur Party aufbrechen, denn sie hatte sich mehr oder weniger aufgebrezelt. „Schätzchen, hatte ich nicht gesagt wir machen uns zusammen fertig?“ Beth sah sie nur etwas perplex an und suchte danach den Fehler an ihrem Outfit, das Problem war, das ganze Outfit war ein Fehler und das konnte sogar ein Blinder aus Brookes Blicken lesen. Beth’s Look war einfach absolut merkwürdig. Sie trug ein Cocktailkleid aus einem Grauen aus Satin und Tüll in grässlichen violetten Farbtönen, dazu eine mit über und über falschen Pailletten besetzte Clutch, womöglich aus einem Discounter. Ihre Schuhe hatten gerade einmal 6 cm Absatz und sahen aus wie die einer Zweitklässlerin. Ihr schulterlanges dunkelbraunes Haar hatte sie vergeblich zu einer Hochsteckfrisur toupieren wollen. Ganz zu Schweigen von ihrem Make Up, welches man sogar im dunklen erkannte, ließ sie eher wie ein Clown wirken. Brooke zerrte Bethany an ihrem Arm herein und schloss die Tür eilig hinter sich. „Hoffentlich hat dich keiner so gesehen!“ Brooke musterte Beth’s Outfit noch einmal im beleuchteten Flur und der Ekel war ihr wirklich ins Gesicht geschrieben.  Sie zögerte nicht und schleifte sie ohne eine Sekunde zu warten die Treppe hinauf in ihr Badezimmer. „Auaa.. Brooke du tust mir weh. Wieso gehen wir denn nicht zur Party?“ Unsanft bürstete Brooke Bethany diese schreckliche Frisur aus den Haaren und antwortete schnippisch: „Wie weltfremd bist du eigentlich, kein Mensch geht vor 10 Uhr auf eine Party!“ Beth’s Augen weiteten sich, doch man wusste nicht genau ob es an dem Schmerz lag, den Brooke ihr bescherte oder an der Tatsache, dass sie um diese Uhrzeit schon längst wieder Zuhause sein wollte.

Nachdem Brooke Bethany unsaft abgeschminkt hatte und sich ihre Haare auch wieder einigermaßen in ihre natürliche Form zurück gelegt hatten, fing Brooke damit an aus ihrem Kleiderschrank ein passendes Outfit für Bethany zusammen zu stellen, denn mit ihren eigenen könnte sie höchstens auf einer Halloween-Party erscheinen. Doch bevor sie dies tat, sah sie nach ob Madison schon Zuhause war. Und welch ein Glück sie war es nicht! So konnten sich die Mädchen auch das ein oder andere Teil aus dem Schrank von Madison aussuchen, welcher der Traum aller Mädchen war. Auf leisen Sohlen schlich sich Brooke in den riesigen Begehbaren Kleiderschrank ihrer Schwester und hängte sich einige der teuren Desinger Klamotten über den Arm. Schließlich stand sie staunend vor dem Regal, in welchem ihre exklusiven Taschen drapiert waren. Und genau vor ihr ragte sie in voller Pracht: Die wohl wertvollste Tasche im gesamten Schrank. Eine hellblaue Hérmes Birkin Bag aus Krokoleder. Madison besaß insgesamt drei Birkin Bags aber diese war mit Abstand die hochwertigste und größte. Voll bepackt stapfte Brooke zurück in ihr Zimmer und warf erschöpft alle Klamotten auf ihrem Bett ab. Bethany kam eingehüllt in einen Bademantel aus dem anliegenden Badezimmer und quengelte: „Brooke, was soll ich denn jetzt anziehen? Warum kann ich denn nicht einfach meine eigenen Sachen anziehen?“ Während Brooke konzentriert versuchte Beth das perfekte Outfit zusammen zu stellen sah sie diese nur mit einem genervten Blick an und entgegnete ihr: „Willst du meine ehrliche Meinung? Die Sachen mit denen du gekommen bist sind der absolute Horror. Die würden dich alle bis an dein Lebensende auslachen und damit aufziehen. Das möchte ich dir ersparen!“ Sie reichte ihr eine wunderschöne Seidenbluse aus transparentem Stoff ohne Ärmel von Isabel Marant. Bethany nahm diese mit einem durch und durch entsetzen Blick entgegen. „Ist das dein ernst? Was bitte soll ich denn darunter anziehen?“ „Einen BH, was sonst?“ sagte die Blondine trocken als Antwort auf diese total überflüssige Frage. Sie wollte Bethany heute in die Ränge der hohen Gesellschaft einführen. Sie hatte die Mittel dazu, doch leider noch nicht die richtigen Kontakte also spielte der Sex-Appeal eine große Rolle.  Inzwischen hatte Beth gemerkt dass jeder Widerstand zwecklos war und sich den Anweisungen von Brooke gebeugt. „Hier probier das mal dazu an.“ Sie warf ihr einen Lederrock in Bleistiftschnitt entgegen, welcher ihr dazu auch nicht sehr lang erschien. „Brooke! Ich möchte da nicht wie eine Prostituierte aufkreuzen!“ Brooke sah sie gespielt geschockt an. „Prostituierte? Neeeein, eher wie ein Edel-Escortgirl dass sich ihre Kunden selbst aussuchen darf!“ Sie reichte ihr ein paar Louboutins in schwarz mit einem XL-Plateau, die nicht hätten höher sein können. Um das Outfit etwas aufzuwerten kramte sie aus ihrer persönlichen Schmucksammlung eine Statement-Kette von Lavin heraus, die sie vor einem Jahr ihrer Mutter geklaut hatte.  „Das sieht Bombe aus Gurl!“ sagte Brooke begeistert als Bethany eher gezwungen als aus eigenem Willen das Outfit angezogen hatte. „Ich fühle mich nicht so wohl darin, außerdem habe ich das Gefühl dass ich viel zu fett für das Oberteil bin!“ Brooke sah sie wütend an. Bei dem Thema Figur verstand sie keinen Spaß. „Hör mal zu, du hast eine tolle Figur. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Ich hätte gerne deine Figur hörst du! Außerdem hast du die Mörder-Möpse des Jahrhunderts! Die Kerle werden so auf dich abfahren!“ Sie zwinkerte ihr zu und bevor sie sich daran machte, Beth zu schminken suchte sie sich ein eigenes Outfit aus und übergab Bethany noch eine Tasche aus ihrem eigenen Schrank. „Hier, die ist von Valentino aus der aktuellen Kollektion, pass bitte auf dass du keinen Champagner darüber ausschüttest!“   Das Valentino Täschchen war klein und aus Lackleder mit Nieten. Während Beth ihre Tasche umräumte steckte Brooke ihren Ipod in ihre IHome-Station und machte laut Musik an. Das Lied welches als erstes angestimmt wurde war „The Fame“ von Lady Gaga, bei welchem Brooke schon mitsingen konnte. „cause we wanne live the life of the rich and famous, lala“ gedämpft hörte man ihren Gesang aus dem Kleiderberg hervor dringen in welchem sie gerade verschwunden war um sich ein passendes Oberteil für ihre Vintage Hotpants auszusuchen. Brooke hatte ihre Auswahl getroffen und trug ein kurzärmliges Sweatshirtoberteil von Philipp Lim, eine Vintage Hotpants, eine opulente Statement-Kette, schwarze Kitten-Heels und transparent-grau gepunkteten Kniestrümpfen. Die Krönung des Outfits war die entwendete Birkin-Bag ihrer Schwester, welche sie oberflächlich umgeräumt hatte. Kurz warf Brooke einen Blick auf ihr Handy um sich zu versichern, dass sie noch genug Zeit hatten. Zum Glück, es war erst kurz nach acht. Es blieb also noch genug Zeit zum Schminken und fürs Vorglühen.  Zum Glück hatte Brooke eine verstecktes Talent in Sachen Styling.  Sie zauberte Beth in kürzester Zeit ein neutrales Augen-Make Up mit passenden, matt-roten Lippen und einer sexy Firsur mit leichten Wellen die sie ihr mit einem Glätteisen legte.  Anschließend schminkte sie sich selbst sehr dezent. Der einzige kleine Hingucker waren ihre alt-rosafarbenen Lippen.  Da ihre Haare in letzter Zeit wirklich lang geworden waren, trug sie diese offen aber bearbeitete sie vorher ebenfalls mit einem Glätteisen um ihre krausen Locken etwas zu bändigen.  Perfekt gestylt waren die Mädchen jetzt eigentlich Aufbruchbereit, doch ohne den ein oder anderen richtigen Drink davor, geht man doch nicht auf eine Party. Zusammen stiegen sie auf ihren hohen Schuhen etwas unbeholfen die Marmortreppe hinunter in das riesige Wohnzimmer. Es war sehr geräumig und minimalistisch eingerichtet. Sie nahmen Platz auf der weißen Ledercoutch und schalteten sich nebenbei MTV ein.  Kurz verschwand Brooke in der nahegelegenen Küche und erschien wenige Minuten später wieder mit zwei Glasflaschen in der Hand. In der einen Hand eine Flasche Moet-Champagner und in der anderen eine große Flasche Absolut-Wodka. „Der Champagner ist für jetzt und der Absolut ist für später okay?“ Bethany gab keine wirkliche Reaktion von sich, da sie wohl noch nicht so viel Erfahrung mit Alkohol gemacht hatte. Mit einem ploppendem Geräusch öffnete Brooke gekonnt die Champagner-Flasche und schenkte Beth prompt ein Gläschen ein. Randvoll versteht sich. Sich selbst goss sie anschließend die selbe Menge in ein Glas. „Anstoßen muss sein, Cheers!“ In einem Zug leerte Beth unerwarteter Weise das Sektglas und verlangte sofort nach Nachschub. „Wow. Ich kam noch nicht einmal dazu daran zu Nippen! Respekt Beth.“ Ohne Wiederrede schenkte Brooke ihr nach. Nach einer halben Stunde war die Flasche leer. Bethany trank ganze 3 Gläser leer, während Brooke noch mit ihrem ersten zu Schaffen hatte. „Breeechen wir auf Brookie?“ fragte Bethany schon dezent angeheitert und hackte sich bei Brooke ein. „Ja wir brechen auf.“ Zum Glück hatte schon vor einer viertel Stunde den Taxi-Service angerufen, damit sie nicht zu Lange auf das Taxi warten mussten. Als sie gerade zur Tür hinaus wollten blieb Bethany erschrocken stehen und hielt beide Hände in die Luft. „Halt ! Stop! Ich habe überhaupt keine Jacke dabei Brookie?“ Brooke verrollte die Augen und zerrte sie nach draußen. „Du brauchst keine Jacke, wenn dir kalt ist reißt du einfach irgend einen Typen auf, lässt dir seine Jacke geben und fertig. Ich nehme nie jacken mit auf Party’s.  Die sind mir viel zu heilig, ehe sie verloren gehen!“ Nichteinmal 5 Minuten mussten sie warten, bis das Taxi auch schon um die Ecke bog und die Mädchen aufsammelte. „Einmal nach Scott’s Hill in die Rosewood Avenue bitte!“ Scott’s Hill war ein Stadtteil von Melvinsburg in welchem nur die Reichen und Schönen sesshaft waren. Die Hausfrauen gingen dort morgens mit ihren Louis Vuitton Neverfull-Bags Lebensmittel einkaufen und die Hunde werden dort nur von Personal ausgeführt. Dort herrschten fast schon die selben Sitten wie auf der Upper East Side in Manhattan.
Das Haus von Madison grenzte zwar an Scott’s Hill an, gehörte aber eigentlich noch zur Innenstadt.  Die Fahrt dauerte nicht länger als 5 Minuten und man konnte von weitem schon erkennen, das es eine sehr große Party und ein noch größeres Haus war in welchem die Veranstaltung statt fand. Okay eigentlich sprach man hier nichtmehr von einem Haus, es war eine riesengroße Villa. Brooke musste zugeben, dass sie so etwas nicht erwartet hatte. „Wie heißt der Typ noch mal der der Party schmeißt Beth?“ „Keine Ahnung, Francis oder so.“ Bethany war gerade noch damit beschäftigt ihren roten Lippenstift nachzutragen. 

Es war also soweit. Der Moment war gekommen um ihre Mitschüler ins Staunen zu bringen. Dies war Bethany’s Abend und sie sollte ihn genießen. Dennoch sollte sie nie vergessen wer ihr half die Aufmerksamkeit zu bekommen die sie verdiente. Brooke wollte damit erzielen, dass die sonst so schüchterne Bethany ewig in ihrer Schuld steht.

Elegant stieg Brooke aus dem Taxi aus, striff kurz mit ihren Händen ihr Oberteil glatt und warf die Haare über die Schulter. Ein Augenaufschlag genügte schon um die Aufmerksamkeit der rauchenden Jungs am Eingang des Hauses für sich zu gewinnen. 
 Doch die Augen der männlichen Partygäste fielen größtenteils sofort auf Bethany. Und so sollte es auch sein. Als Brooke sie so neben sich posieren sah, fiel ihr erst einmal wirklich auf, wie sexy sie aussehen konnte. Ohne ihre langweiligen Klamotten, ohne ihre Hornbrille auf der Nase, mit einem schönen Make-Up. Was Stil einfach alles ausmachte. Stil ist es, was dich zu dem machen kann was du möchtest. 

Als die beiden Mädchen voran schritten um die Villa zu betreten lasteten viele Blicke auf ihnen.  Brooke erkannte in der Menge ein Stimme. Es war eine rauchige Frauenstimme die zu dem Mädchen namens Francesca gehörte. Als Brooke zu ihr sah, war diese gerade damit beschäftigt einer Gruppe College-Typen Gras zu verkaufen. Scheinbar dealte sie regelmäßig, da einige bei ihr Schlange standen. Ein Türsteher stand vor dem Haupteingang des Hauses, musterte die Lady’s kurz und gewehrte ihnen anschließend Einlass. Die Eingangshalle der Villa war prachtvoll dennoch erkannte man kaum Einzelheiten, da überall Leute standen und sich unterhielten oder sich einfach nur betranken. Der Boden war aus Mamor, das erkannte Brooke sofort. Über ihren Köpfen hing ein überdimensional großer Kronleuchter aus Kristall. Die Luft war sehr schlecht hier drinnen und überall roch es nach Marihuana. Leichte Rauchschwaden hingen in der Luft und Alkohol wohin das Auge reichte. Scheinbar schien keiner mehr so sehr in Trauerstimmung um Marissa Lanchester zu sein. Als sie in das Wohnzimmer kamen, war in der Mitte eine große Tanzfläche aufgebaut hinter welchem auf einer Erhöhung ein DJ Pult zu sehen war, hinter welchem ein scheinbar guter DJ auflegte, den sie jedoch aus der Ferne nicht erkennen konnte. Doch die Musik schien gut zu sein, da sehr viele weibliche Gäste ihr bestes auf dem Dancefloor gaben.  Gerade spielte der DJ das Lied „Tom Ford“ von Jay Z. Brooke erkannte es sofort und nickte im Takt mit. Sie ging hinüber zur Bar und überreichte dem Barkeeper ihre Wodka-Flasche die sie als Gastgeschenk mitgebracht hatte. Anschließend bestellte sie einen Gin-Tonic für sich und einen für Bethany.  „Auf Eis?“ fragte der gutaussehende Barkeeper und versuchte mit seinen kecken Blicken Brooke anzuflirten. Sie ließ ihn allerdings eiskalt abblitzen. „Natürlich auf Eis, Idiot!“ Genervt nahm sie die Drinks entgegen und begab sich auf die Suche nach Bethany die in der Masse verschwunden war.  Sie ging die Treppe hinauf, da im Erdgeschoss keine Spur von ihr war. Sie stellte ihre Drinks auf einer Kommode ab, die im 1. Stock im Flur zur Dekoration stand. Auf diesem Stockwerk war zwar weniger los, aber dennoch genug um den Überblick zu verlieren. Viele Paare zogen sich in eines der unzähligen Schlafzimmer zurück um ungestört ihren Spielchen nachzugehen. Diese Tatsache war Brooke vollkommen klar, dennoch ignorierte sie es und stürmte in jedes Zimmer hinein, was nicht abgeschlossen war. Als sie eine weitere Türe zu einem Schlafzimmer öffnete, sah sie etwas, was nicht für ihre Augen bestimmt war und womit sie nie gerechnet hätte. Giulia Franklin lag auf dem Boden während ein halbnackter Typ auf dem Bett lag und sich weiter auszog. Was Brooke erst auf den zweiten Blick erkannte war, dass Giulia gerade eine Line zog. Brooke hatte die Tür nur einen Spalt weit geöffnet, so dass die Insassen gar nicht bemerkten, dass sie mehr oder weniger auch anwesend war. Ohne lange zu überlegen holte Brooke ihr Iphone heraus und schoss ein Foto von der Situation. Es war immer gut, Giulia mit irgend etwas in der Hand zu haben.  Doch als sie das Foto tätigte, bemerkte sie erschrocken, dass sie ihren Ton nicht ausgeschaltet hatte und es ein Geräusch machte. Erschrocken ließ sie ihr Handy in ihre Handtasche fallen, knallte die Tür zu und rannte den Gang hinunter. Sie öffnete eine der Türen und versteckte sich in dem Zimmer.  Nachdem sie sich versichert hatte, dass sonst niemand im Raum war, schloss sie die Türe hinter sich und warf sich kurzer Hand auf das Himmelbett welches mittig im Raum stand.  Sie atmete schnell ein und aus und realisierte erst gar nicht, was sie gerade getan hatte. Sie hatte ab jetzt Giulia Franklin in ihrer Hand.  Sie steckte ihren Arm in die Birkin Bag ihrer Schwester und kramte nach ihrem Smartphone, doch plötzlich bemerkte sie etwas ungewohntes. Ein Umschlag, der sich in der Innenseite der Tasche in einem kleinen Fach verbarg ragte nur ein wenig heraus. Brooke war sich nicht mehr sicher, ob dieser Umschlag schon vorher in der Tasche war. Sie zog ihn behutsam heraus. Er war schon geöffnet, langsam zog sie das pergamentartige Briefpapier aus dem Umschlag, faltete es auf und las sich den Text aufmerksam durch, welcher in Tinte mit Hand geschrieben war.

„Liebe Madison,
Die zahlreichen Nächte die wir gemeinsam verbracht haben waren jedes mal wieder wie ein leidenschaftliches Feuer des Lebens für mich. Ich fühle mich immer wie neu geboren wenn wir uns sehen. Für das nächste Treffen werde ich dir noch einmal eine genaue Zeit und Adresse zukommen lassen. Meine Frau hat noch nichts mitbekommen und so soll es auch bleiben.  Ich bin sehr froh dass ich dir auch gelegentlich finanziell zur Hand gehen kann, immerhin gibst du mir das was ich am meisten brauche und das ist meine Jugend.
Hier ein kleines Geschenk für dich, der Name Hérmes sollte dir bekannt vor kommen.
Was sind schon 40.000 $ wenn man dich haben kann.
In Liebe,
Samuel Seymore „

Langsam lies Brooke den Brief zu Boden sinken.  Sie wusste nicht was sie davon halten sollte, dass ihre Schwester sich prostituierte.  Sie hatte sich schon des öfteren gefragt, wie sie sich diesen Upperclass Lebensstandart finanzieren kann, immerhin verdient man als Store-Managerin keine Millionen.  Noch einmal las sie sich den Namen des Mannes durch. Samuel Seymore. Woher kam ihr dieser Name so bekannt vor?
Und mit einem Mal fiel es ihr wie Schuppen von den Augen. Samuel Seymore ist der Ehemann von der Schwester ihrer Mutter.  Brooke hatte ganz vergessen dass die Seymore’s auch in Melvinsburg wohnten.  Der Ekel überkam sie und sie ließ die Tasche ruckartig fallen. Diese Tasche war nur eine von vielen Belohnungen dafür, dass ihre Schwester Madison mit ihrem stinkreichen angeheirateten Onkel schlief. Das war alles zu viel für einen Abend. Brooke packte ihr Zeug zusammen und beschloss sich auf die Suche nach Bethany zu begeben um anschließend zu verschwinden. 
Dies war leichter gesagt als getan, denn Bethany war nirgendwo aufzufinden. Gestresst polterte Brooke wieder hinunter ins Erdgeschoss und drängelte sich durch die unglaubliche Masse von Menschen.  Am Wohnzimmer angrenzend, war eine Terrasse  mit Garten und Swimmingpool.  Brooke war sich fast sicher, dass Bethany dort irgendwo sein musste. Mehrmals versuchte sie, sie auf dem Handy zu erreichen aber wie erwartet ging keiner ran.  Auf der Terrasse angekommen, erkannte sie Bethany auf einer Hollywoodschaukel sitzend mit zwei Kerlen im Arm die sich mit ihrer Zunge an ihr vergnügten. Gerade wollte sie dorthin stolzieren und Bethany in ein Taxi schleifen ehe jemand ihren Namen rief. „Wenn das nicht die gute Brooke Parker ist.“ Es war eine Männerstimme die sie kannte, aber mit welcher sie hier nie gerechnet hätte. Geschockt drehte sie sich zu der Person um und erkannte ihren Cousin Frederic Seymore. „Freddie, was, was machst du denn hier?“ Sichtlich verwirrt fiel Brooke einfach nichts besseres ein um ihren eigentlich um alles verhassen Cousin anzusprechen. „Das selbe könnte ich dich fragen Schätzchen. Das hier ist mein Haus, naja um genauer zu sein das meines Vaters. Mutter ist zurzeit mit ihren Freundinnen auf Entspannungsurlaub in den Malediven und Vater ist auf Geschäftsreise. So habe ich das ganze Haus für mich und ich liebe es große Party’s zu geben wie du vielleicht schon bemerkt hast.“ Freddie trug einen schwarzen Smoking mit passender Fliege von Prada, dazu ein weißes Smokinghemd mit Haifischkragen und verdeckter Knopfleiste. Schwarze Bottega’s zierten seine Füße und seine Frisur war perfekt nach hinten gestylt. An der Hand trug er einen Siegelring mit dem Wappen der Familie Seymore. „Geschäftsreise, soso.“ Jetzt wurde Brooke alles klar. Deswegen war Madison die ganze Zeit nicht Zuhause, sie traf sich mit ihrem Verehrer der gleichzeitig ihr Onkel war! „Dann ist es wirklich wahr, Brooke Parker ist von Zuhause ausgerissen und hat sich in Melvinsburg eingeniestet. Glaub mir Schätzchen, das Kleinstadtleben ist um einiges härter als auf der Upper East Side. Hier bekommst du nicht alles in den Arsch geschoben.“ Genau jetzt fiel Brooke auch wieder ein, warum sie ihn nicht leiden konnte. Und der Aspekt warum sie das Haus nicht erkannt hatte war, dass sie hier noch nie zu Besuch war, seit die Seymores in Melvinsburg wohnten. Brooke stapfte hinüber zu Bethany, packte diese am Arm und zog sie mit sich. Mehr als ein Stöhnen gab diese auch nicht mehr von sich. „Hat mich sehr gefreut Freddie, aber ich sollte gehen meiner Freundin geht es nicht so gut. Vielleicht sieht man sich in der Schule.“  Frederic warf ihr einen entsetzten aber gleichzeitig belustigten Blick zu. „Ist das dein ernst Cousinchen? Sehe ich so aus als würde ich auf eine öffentliche High School gehen? Ich bekomme Privatunterricht.“ Er zupfte seine Fliege zurecht und sah stolz und sehr eingebildet zu den Damen hinüber. „Na dann sehen wir uns dort eher nicht.“ Entgegnete Brooke trocken, und taumelte mit Bethany im Arm in Richtung Taxi, welches Gott sei Dank schon vor der Türe stand. Ihr einziger klarer Gedanke, den Brooke nach dem heutigen Tag noch verfassen konnte war, dass Bethany hoffentlich nicht  in das Taxi brechen würde. 

Mittwoch, 13. November 2013

Preview Chapter 2: first school day, first body!


Das stechende Geräusch, welches der Wecker verursachte brachte Brooke fast in den Wahnsinn. Voller Wucht schlug sie die elektronische Uhr von ihrem Nachttisch. Man hörte nur einen dumpfen Aufprall und das Rollen von Batterien. Es war der zweite Montag im September und etwas war anders als sonst. Brooke realisierte erst gar nicht für welches Ereignis sie sich eigentlich den Wecker so früh gestellt hatte.
Sie rappelte sich aus dem Bett, blieb allerdings eingehüllt in ihrer Decke und schlurfte in Richtung Badezimmer. Erst nach einer knappen halben Stunde welche sie der Körperhygiene gewidmet hatte stand sie wieder vor ihrem Spiegel in dem Gästezimmer im Haus ihrer Schwester. Als sie sich überlegte was sie heute anziehen würde, weiteten sich auf einen Schlag ihre Augen und ihr entfuhr ein lautes Fluchen: „FUCK!“
Heute war ihr erster Schultag an einer komplett neuen Schule. Vollkommen in Panik durchwühlte sie ihren Kleiderschrank, probierte tausende von Outfits an und entschied sich allerdings kurzer Hand doch wieder für ein anderes. Ihr Zimmer sah anschließend so aus, als wenn eine Bombe eingeschlagen wäre. Das Wetter draußen war sehr warm, etwa 26 °,  aber trotzdem wehte ein frischer, kühler Wind. Schließlich entschied sie sich für einen rosé-grau gestreiften langarm Pullover der allerdings bauchfrei war. Dazu kombinierte sie einen hellblauen, ausgestellten Sommerrock mit Spitzensaum von Ralph Lauren, den sie auf Taille trug. Außer einer knallbunten Statement-Kette und ihrem Marc Jacobs Parfum trug sie an Gesicht und Hals weder Schmuck noch Make Up.  In Windeseile packte sie das nötigste, was man eben für den ersten Schultag brauchte in ihre wohl praktischste Tasche hinein. Notizblock und Federmäppchen fanden in ihrer David Delfin Tasche, mit kaminroten Ledereinsätzen genug Platz.  Ohne darüber nachzudenken, schlupfte sie in ihre Chloé Ballerinas hinein und polterte anschließend die Treppe hinunter.
Nicht einmal von Madison konnte sie sich verabschieden, da diese heute ihren freien Tag genießen konnte und noch den Rausch der gestrigen Partynacht ausschlief. Das nährreiche Frühstück blieb aus, denn die junge Blondine hatte schon genug Zeit vertrödelt und eilte schon im Schnellschritt hinüber zur nahegelegenen Bushaltestelle die sich an der nächsten Kreuzung befand. Der Bus kam genau pünktlich und Brooke hatte Glück, sich den Wecker so früh gestellt zu haben. 

Nach nur 4 Haltestellen hatte sie endlich ihre Station erreicht. Unzählige Schüler und Schülerinnen stiegen mit ihr aus dem Bus und formierten sich schon in altbekannte Cliquen. Nur Brooke war alleine und kannte noch niemanden. Das Schulgelände von Melvinsburg bestand aus der St. Margereth High School für Mädchen und die Kennedy High School für Jungs. Beide Schulen wurden nur durch einen riesigen Pausenhof getrennt und standen parallel zueinander.  Die Universität von Melvinsburg war ebenfalls nur 5-10 Minuten zu Fuß vom Schulzentrum entfernt.

Nervös lief sie der Menge hinter her und versuchte an ihrem ersten Tag nicht allzu aufzufallen. Dafür hatte sie später immerhin noch genug Zeit.  Normalerweise war Brooke nicht die Art von Mensch die sich vor den ersten Schultagen fürchtet, doch kommt sie nun in eine völlig neue Klasse die sich unter einander schon alle kennen. An ihrer alten Schule war das nicht anders, neue Mitschüler wurden nur sehr schwer angenommen und akzeptiert. 

Als sie den riesigen Pausenhof erreichte, der wohl auch als Chill-Out-Area vor den Unterrichtsstunden genutzt wurde, musterten sie einige Mitschüler äußerst skeptisch. Eine Person lästerte wohl schon am lautesten über Brooke, ehe diese nur den Fuß in ihr Territorium gesetzt hatte. Giulia Franklin war die Queen der Schule und hatte hier das Sagen. Sie bestimmte wer cool war und wer nicht. Sie kam umringt von einer Traube von Mädchen direkt auf Brooke zu. „Du musst dann wohl die Neue sein über die jeder spricht.“ Sie musterte Brooke auffällig von oben bis unten und lächelte sie anschließend falsch an.  „Scheinbar.“ Sagte Brooke unbeeindruckt von ihrem Auftreten. Sie musterte das Girlie genauso explizit wie sie es bei ihr tat und stellte fest, dass sie keinen besonders ausgefallenen Stil hatte sondern einfach nur protzen wollte.  Giulia trug ein weißes Spitzenkleid von Abercrombie & Fitch, eine Tweed Jacke in schwarz-weiß, ihre geliebten Tory Burch Ballerinas und eine viel zu kleine Tasche von Rebecca Minkoff in die nichteinmal ein Notizheft hinein passte, da sie dieses unter ihrem Arm trug. An ihrem Hals glitzerte eine Roségoldene Kette von Tiffany & Co mit einem Herz in der ihr Anfangsbuchstabe „G“ eingraviert war. Ihr rot-braunes Haar trug sie in einem makellosen Dutt.  „Du möchtest wohl an deinem ersten Schultag besonders cool rüber kommen was? Es ist wohl deine neue Chance endlich einmal unter den Schönen und Beliebten zu sein. Das arme Mädchen aus New York war dort wohl immer die Außenseiterin. Das bestimme immer noch ich ob du es wert bist oder nicht!“ Für einen kurzen Augenblick verengten sich ihre Augen zu Schlitzen gefolgt von einem Abgang der wohl nicht hätte dramatischer sein können. Brooke fragte sich in diesem Moment ernsthaft ob sie all diese Mädchen bezahlte, welche die ganze Zeit um sie herum schwirrten.  Giulia hatte nicht einmal den blassesten Schimmer davon, dass Brooke sie mit ihren eigenen Waffen in Grund und Boden stampfen könnte, man kann für nichts garantieren!